Archiv für Juni 2008

h1

Gedanken zum Jugendgottesdienst-Thema „Angst“

Juni 10, 2008

Jeder von uns kennt Angst. Angst vor der Prüfung in der Schule, Angst vorm Zahnarzt, Angst, mit einer schlechten Note nach Hause zu kommen, Angst alleine im Dunkeln, Angst keinen Ausbildungsplatz zu bekommen usw

Für viele Ängste gibt es eigene Fachbegriffe, mehr als 600 sind es, darunter bekannte wie
die Agoraphobie (die Angst vor weiten Plätzen) oder Odynophobie (Angst vor Schmerz); es gibt aber auch merkwürdige Ängste wie die Alliumphobie (Angst vor Knoblauch), die Allodoxaphobie (Angst vor einer Meinung) oder die Venustraphobie (Angst vor schönen Frauen).

In der Wikipedia steht dazu:

„Die Angst ist ein negatives Gefühl, das mit der tatsächlich oder vermeintlich erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Schadens verbunden ist und bezeichnet somit eine Empfindungs- und Verhaltenssituation aus Ungewissheit und Anspannung, die durch eine eingetretene oder erwartete Bedrohung (z.B. Schmerz, Verlust, Tod) hervorgerufen wird. Der Begriff Angst grenzt sich von der Furcht dadurch ab, dass sich Furcht meist auf eine reale Bedrohung bezieht (gerichtete Angst), Angst ist dagegen meist ein ungerichteter Gefühlszustand. Im Deutschen werden „Angst“ und „Furcht“ allerdings oft synonym verwendet, obwohl es z.B. statt „Angst vor dem Fliegen“ eigentlich „Furcht vor dem Fliegen“ heißen müsste.“

Weil man gegen eine richtige Angst nichts machen kann, beschäftigt sie die Menschen auch schon immer. Niemand weiß eben, was morgen wird, ob man morgen noch gesund sein wird oder an einer schlimmen Krankheit leiden muss. Ob im Bekanntenkreis jemand stirbt – zB. plötzlich und unerwartet durch einen Unfall. Man weiß nicht, was die Politiker treiben, ob es beim Frieden bleibt oder wie so oft in der Geschichte wieder einen Krieg gibt.
Auch vorm Weltuntergang hatten die Menschen schon immer Angst, und es gab ja auch viele Katastrophen, die für einzelne Menschen, Orte, Regionen oder Länder der Untergang waren. Und derzeit droht uns eine weltweite Klimakatastrophe.

Man kann sich gegen Angst nicht wehren. Klar, man kann bestimmte Ängste vermeiden: wer zuhause vorm Fernseher sitzen bleibt, muss keine Angst haben, mit dem Flugzeug abzustürzen – aber es gibt eben so vieles, was wir nicht in der Hand haben, von dem wir nicht wissen, ob es gut oder schlecht wird, dass man zurecht Angst davor haben kann.

Angst ist aber auch sinnvoll! Sie schützt uns vor unüberlegtem Handeln und mahnt zur Vorsicht in Situationen, die uns schaden könnten. Unsere Angst vor Dunkelheit warnt uns, dass wir eben nicht wie Katzen auch nachts noch genug sehen,sondern sehr hilflos sind. Höhenangst bewahrt uns vor Übermut beim Klettern. Völlige Angstfreiheit zu erreichen ist nicht nur nicht möglich – es wäre auch gar nicht erstrebenswert. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass eine „mittlere Aufgeregtheit“ vor Prüfungen optimal ist: völlige Gleichgültigkeit oder hohe Erregung führen zu schlechteren Ergebnissen.

—————–

Mit den wirklich großen, bösen Ängsten sind wir Menschen immer allein. Auch wenn einem die Familie beisteht, wenn man Freunde hat, wenn man selbst sehr mutig ist: wir haben es nicht in der Hand, was morgen passiert.

Selbst Jesus hat das erleben müssen. Gerade war Ostern, da haben wir seine Passions-Geschichte ja wieder gehört, und für die Konfirmanden hatten wir ein eigenes Agapemahl dazu gemacht: Jesus wusste, dass er hingerichtet werden würde, weil er mit seinem Reden von Gott die irdischen Machthaber provoziert hatte. Und er hatte furchtbare Angst davor.

Er wollte mit einigen seiner Jünger beten, dass ihm das Leiden erspart bliebe, aber seine Jünger sind eingeschlafen und er war ganz alleine. Nur Gott blieb ihm in dieser schweren Zeit, unser Gott, den man nicht sehen kann. Gott ist der einzige, der in solchen Situationen noch bei uns ist. Gott hat schon zu Josua, dem Nachfolger des Mose, gesagt: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“

Und so sehr Menschen das schon seit vielen Tausend Jahren wissen, zweifeln wir immer wieder daran, wenn es mal nicht so gut läuft. Wenn wir meinen, Gott müsste doch alle Ängste aus der Welt vertreiben. Dann klagen wir Menschen, dann verfluchen wir Gott auch mal, aber am Ende sind wir nur noch verzweifelter.

Selbst Jesus hat gezweifelt, als er sterben musste am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ hat er gerufen. Und es half alles nichts, Jesus ist gestorben. Aber dann ist er eben auferstanden und hat sich zum Beweis nochmal seinen Jüngern gezeigt.

Gott macht nicht alles heile. Er vertreibt nicht alles Böse, er schafft kein Paradies auf Erden. Aber Gott hat mit uns nichts Böses vor, und wir dürfen darauf vertrauen, dass am Ende alles Gut wird, dass es am Ende auch des längsten Tunnels Licht gibt.

Denn Jesus hat uns versprochen: „Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“